24.01 20.00 UhrDas süße Jenseits nächste Vorstellung

 »The Sweet Hereafter«
 Kanada 1997
 Regie: Atom Egoyan
 Darsteller: Ian Holm,
 Sarah Polley,
 Bruce Greenwood,
 Tom McCamus
 110 Min.
 

 
 

Wie lustig Menschen, die in dicker Winterkleidung durch kniehohen Schnee stapfen, sein können, haben uns die Coens unlängst mit »Fargo« bewiesen. Doch Schnee kann auch eine ganz andere Wirkung haben, wie uns »Das süße Jenseits« beweist: Der fallende Schnee ist kalt, bedrohlich, legt sich über alles Lebende, ist unnatürlich friedlich, tot.

Tot sind auch dreizehn Kinder, die in einer kanadischen Kleinstadt mit dem Schulbus verunglücken. Niemand kann etwas dafür, es herrschte tückisches Glatteis, auch nicht die freundliche Fahrerin, die die Kinder seit Jahren liebevoll, fast leidenschaftlich zur Schule chauffierte. Die Trauer legt sich wie Schnee langsam und still auf die Kleinstadt, das Unglück muss verarbeitet werden. Ein Rechtsanwalt hört schließlich von dem Unfall, reist an und hat eine prima Idee: Verklagen wir doch erst mal die Busgesellschaft! Irgendeine lockere Schraube wird sich schon finden, die trauernden Eltern bekommen zumindest eine finanzielle Entschädigung, der Anwalt könnte eine Entziehungskur für seine drogenabhängige Tochter bezahlen. Er zieht los, versucht die Eltern von seinem Plan zu überzeugen. Gleichzeitig wird immer wieder ein überlebendes Mädchen eingeblendet, das die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln erzählt...

»Das süße Jenseits« ist kein nerviger Problem-Film, der uns mit dem Zeigefinger neunmalkluge Botschaften einhämmern will. Niemand ist hier gut, niemand ist hier böse. Auch der Anwalt hat Sorgen und Nöte, die seine Handlungen nachvollziehbar erscheinen lassen. Fast spielerisch und doch ernsthaft verwickelt uns der armenische Regisseur Egoyan in ein Geflecht von Moral, Tat und Notwendigkeit. So wird »Das süße Jenseits« zu einem sehr stillen Film, wie es ihn kaum gab in den späten 90ern. Still wie der Schnee, der sich auf alles Lebende legt...
(Ulrich)