14.02 20.00 UhrRocco und seine Brüder

 »Rocco e suoi fratelli«
 Italien/Frankreich 1960
 Regie: Luchino Visconti
 Darsteller: Alain Delon,
 Annie Girardot,
 Claudia Cardinale,
 Renato Salvatori
 170 Min.
 

 
 

Was soll das? Dieser Film dauert fast drei Stunden, er ist vierzig Jahre alt, in altmodischem Schwarz-Weiß gedreht und es gibt keine einzige Explosion oder Auto-Verfolgungsjagd zu sehen. Dennoch oder gerade deswegen haben wir uns entschieden, diesen Film bei uns aufzuführen. Es handelt sich um eine von Viscontis interessantesten Arbeiten, weil sie eine Schnittstelle in mehrfacher Hinsicht ist: Der Regisseur wand sich mit »Rocco...« entgültig vom Neorealismus ab und opulenten Historienfilmen zu. In diesem Übergang finden wir Stilelemente aus beiden Phasen - einzigartig bei Visconti.

Für Hauptdarsteller Alain Delon ist »Rocco...« der Durchbruch zum internationalen Erfolg und inhaltlich erleben wir die Schnittstelle zwischen einem armen Süd-Italien und einem reichen Norden: Die Witwe Rosaria kommt mit ihren Söhnen Simone, Rocco, Ciro und Luca aus dem Süden nach Mailand. Sie hofft, dass der dort lebende älteste Sohn Vincenzo allen eine Arbeit verschaffen kann. Bald werden alle vier Brüder in den Boxsport eingeführt. Als Simone sich in Nadia verliebt, diese aber Rocco vorzieht, werden die Brüder zu erbitterten Rivalen; Simones Weg nach unten scheint nicht mehr aufzuhalten. Trotzdem unterstützt Rocco Simone weiterhin finanziell, bis es zu einer grausamen Schlägerei kommt. Die Katastrophe ist unabwendbar.

Visconti beansprucht für seine Auseinandersetzung mit dem modernen Italien den Charakter des Typischen. Der Verfall einer Familie wird mit eindrucksvollen filmischen Mitteln zum Bild des Nord-Süd-Gegensatzes. »Was mich zum Film geführt hat«, sagt Visconti, »ist vor allem das Bedürfnis, Geschichten von lebendigen Menschen zu erzählen, von Menschen, die inmitten der Dinge leben und nicht von den Dingen selbst.« Und das schafft er ganz ohne Verfolgungsjagd.
(Ulrich)